Dankbarkeit oder Bescheidenheit - warum diese Unterscheidung wichtig ist - besonders für Frauen ü40

Warum Dankbarkeit dich nicht automatisch glücklicher macht

Dankbarkeit hat einen guten Ruf. Und das zu Recht.

Den Blick auf das Gute zu richten, anzuerkennen, was da ist, was funktioniert, was man sich aufgebaut hat – das ist richtig und wichtig. Ich sehe das jeden Tag: bei Frauen, die viel tragen, viel leisten und trotzdem weitermachen. Das will ich nicht kleinreden. Wirklich nicht.

Aber Dankbarkeit ist keine Antwort auf alles.
Und sie wird problematisch, wenn sie mit Bescheidenheit verwechselt wird.

Sätze wie:

„Jetzt sei doch zufrieden.“
„Andere wären froh an deiner Stelle.“
„In deinem Alter kann man froh sein, überhaupt noch …“

kommen selten als offene Kritik daher. Meist eher beiläufig. Beim Abendessen. Im KollegInnen-Gespräch. Oder als eigene Stimme im Kopf – gerne montags morgens.

Gerade Frauen in der Lebensmitte kennen das gut. Und viele schlucken es. Nicht unbedingt, weil sie es glauben. Sondern weil sie gelernt haben, nicht zu viel zu wollen.

Ich finde:

Dankbarkeit ist keine Universalantwort.

Dankbar sein heißt nicht, stehen zu bleiben

Vielleicht erkennst du dich hier wieder:

Du hast einen soliden Job. Du verdienst ordentlich. Du bist zuverlässig, erfahren, kompetent.

Und trotzdem gibt es diesen Gedanken, der sich immer mal wieder reinschiebt – gerne abends, wenn alles ruhig ist. Oder montags, wenn du schon beim ersten Meeting innerlich abschaltest.

Vielleicht denkst du dann:

„War das jetzt alles?“
„Will ich die nächsten zehn Jahre wirklich genauso weitermachen wie die letzten?“

Du willst nicht höher, schneller, weiter. Sondern eher: passender, stimmiger, lebendiger.

Du erkennst dich wieder? Nein, du hast keine Midlife-Crisis. Du drehst nicht durch. Und vor allem bist du auch nicht undankbar.

Was du erlebst, ist etwas sehr Normales:
Eine normale Phase der Orientierung in der Lebensmitte.

Willkommen im Club der reflektierten Frauen mit Erfahrung.



Der entscheidende Unterschied: Dankbarkeit oder Selbstbegrenzung

Es gibt einen Unterschied, der oft übersehen wird:

Dankbarkeit aus Anerkennung und Wertschätzung vs. Dankbarkeit als Deckel

Dankbarkeit aus Anerkennung heißt:

Ich sehe, was ich geschafft habe.
Ich weiß, was mir möglich war.
Ich würdige meinen Weg.

Und trotzdem stelle ich mir Fragen wie:

Passt das noch zu meiner heutigen Lebensphase?
Nutze ich meine Erfahrung wirklich sinnvoll?
Will ich weiter nur alles abarbeiten – oder auch etwas -vielleicht neues- gestalten?

Dankbarkeit als Deckel funktioniert anders.

Sie beendet diese Fragen.
Sie macht Wünsche klein.
Sie erklärt Entwicklung für unnötig.

Dann geht es nicht mehr um Wertschätzung, sondern um Stillhalten.

Warum gerade Frauen Ü40 hier hängenbleiben

Viele Frauen in der Lebensmitte sind extrem leistungsfähig. Sie haben durchgezogen, Verantwortung übernommen, sich angepasst, geliefert, alles gewuppt.

Und genau das wird ihnen irgendwann zum Verhängnis und es entwickeln sich typische Gedanken:

„Ich halte das schon aus.“
„So schlimm ist es ja nicht.“
„Andere haben ganz andere Sorgen.“

Nach außen läuft alles. Innen wird es einsamer. Keine große Krise. Kein Drama. Eher so ein dauerhaftes inneres Zusammenreißen.

Die Veränderung im Job oder im Privatleben scheitert manchmal am Mut – und manchmal daran, dass Frauen zu lange warten, bis wirklich gar nichts mehr geht.

Frühwarnzeichen, die viele ignorieren (bis der Körper stoppt)

Du musst nicht erst krank werden, um hinzuschauen. Es gibt deutlich frühere Hinweise:

  • Du machst deinen Job korrekt – aber ohne inneres Feuer.
  • Weiterbildung reizt dich theoretisch, praktisch zuckst du nur mit den Schultern.
  • Gespräche über deine berufliche Zukunft verdrängst du schnell.
  • Du denkst öfter: „Andere haben es noch schlechter.“ „Ein paar Jahre halte ich das schon noch durch.“ – die Bescheidenheitsleier.
  • Du weißt, dass du mehr könntest – aber schiebst die Gedanken nur vor dir her.

Das sind noch keine Burnout-Symptome. Das sind Hinweise darauf, dass dein inneres Wachstum nicht mehr zu deinem äußeren Leben passt.

Berufliche Neuorientierung heißt nicht automatisch kündigen

Neuorientierung in Beruf wird oft sofort mit radikalen Schnitten verwechselt. Kündigen. Alles hinschmeißen. Die „Berufung finden“.

Ganz ehrlich: Das ist für viele weder realistisch noch nötig.

Berufliche Entwicklung in der Lebensmitte kann viel weniger radikal – und gleichzeitig wirksamer sein.

  • Aufgaben und Schwerpunkte verändern.
  • Verantwortung anders definieren.
  • Wissen weitergeben statt nur liefern.
  • sich gezielt weiterbilden.
  • die eigene Rolle klarer gestalten.

Lies dazu gerne meinen Artikel zum Job Crafting. Manchmal ist ein Wechsel richtig. Manchmal reicht eine bewusste Neuausrichtung.

Der entscheidende Punkt ist nicht, was du änderst – sondern, dass du hinschaust und in kleinen Schritten beginnst.

Dankbar sein und wachsen wollen schließt sich nicht aus

Du darfst beides sagen:

„Ich bin dankbar für meinen Weg. Und ich will trotzdem mehr.“ Mehr Übereinstimmung zwischen dem, was du kannst und wofür du brennst, und dem, was du täglich tust.

Das ist keine Undankbarkeit. Das ist Reife und Selbstliebe.

Fazit

Dankbarkeit ist wertvoll – solange sie Entwicklung und Wachstum nicht ersetzt. Sie darf begleiten. Aber sie sollte dich nicht davon abhalten, ehrlich hinzuschauen.

Berufliche Neuorientierung in der Lebensmitte heißt nicht, alles infrage zu stellen.
Sondern sich zu erlauben, rechtzeitig nachzujustieren – bevor der Körper das übernimmt.

Und ja: Dafür ist jetzt ein ziemlich guter Zeitpunkt.

Wie ich dich begleite

Ich arbeite mit Frauen, die sagen: „Ich habe schon viel erreicht und ich bin dankbar – und ich will trotzdem etwas anderes.“

Wir schauen mit Klarheit und einem realistischen Blick darauf, wie deine berufliche Entwicklung in dieser Lebensphase wirklich aussehen kann.

So dass dein Job wieder zu deinem Leben passt. Nicht umgekehrt.


Sandra Jost sitzend Kinn aufgestützt

Über mich

Hi, ich bin Sandra.
Seit über 20 Jahren begleite ich Menschen auf ihrem beruflichen Weg. Meine eigene grösste Veränderung begann, als ich meine echten Stärken erkannt habe. Plötzlich war klar: Ich muss mich nicht verändern – ich darf endlich ich selbst sein.

Heute begleite ich Menschen dabei, ihre Stärken zu entdecken – damit Job und Leben wirklich zusammenpassen.

Denn wer seine Stärken lebt, verändert nicht nur den Job – sondern oft auch sein ganzes Leben.

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